S.O.: Jedermann hat seine Lebensmission. Ich bin in den vergangenen 15 Jahren sehr viel durch Länder Süd- und Mittelamerikas sowie Europas gereist und habe uralte Kulturen erforscht. Inzwischen habe ich auch eine Dissertation über die Maya-Zivilisation vorbereitet und bin dafür durch 50 Städte Mittelamerikas gereist. Nachdem ich an die hundert Pyramiden gesehen und erklettert hatte, wurden meine Sinne geschärft. Als ich genau vor einem Jahr nach Visoko kam, gaben mir der erste Blick auf die Erhöhungen der Visocica, die ebenmäßige Geometrie und die Orientierung nach den Himmelsrichtungen ausreichend Argumente, um die Hypothese aufzustellen, dass es sich dabei um eine Pyramide handelt. Glück spielte dabei keine Rolle. Dank meinen Erfahrungen erkannte ich, dass es sich um pyramidenartige Formen handelt.
Wieninternational: Sie stellen dabei Verbindungen zwischen den Maya-Kulturen Mittel- und Südamerikas und den Visiko-Funden in Bosnien her. Warum?
S.O.: Die Maya-Zivilisation besaß in Tausenden ihrer Städte und Siedlungen Pyramiden. Die Verteilung von Pyramiden ist auch nicht zufällig. Pyramiden gibt es in Mexiko, Peru, Ägypten, China, Japan und in Bosnien-Herzegowina, also auf allen Kontinenten. Uralte Zivilisationen hatten eine besondere Auffassung von Pyramiden und suchten gezielt nach energetisch potenten Punkten, was die Neuentdeckung in Bosnien-Herzegowina bestätigt. Die bosnische Pyramide gleicht zwar vom Design her eher ägyptischen. Eine Verbindung der bosnischen zu den mexikanischen Sonnenpyramiden ist durch eine stufenförmige Pyramidenseite erkennbar, wo man nach steilen 30 Metern auf ein 2 Meter langes Plateau kommt usw.
Wieninternational: Welche konkreten Beweise wurden bisher in Visoko gefunden? Warum müssen uralte Völker diese Pyramide gebaut haben?
S.O.: Nach topographischen Karten konnten wir entdecken, dass zwischen den drei Pyramiden der Sonne, des Mondes und des Drachen ein Abstand von 365 Metern vorliegt. Außerdem bilden diese drei Pyramiden ein gleichschenkliges Dreieck mit je 60°. Im Verhältnis von der Pyramidenspitze zum Polarstern gibt es nur eine Abweichung von 12'. Auf jeden Fall finden wir hier genug Beweise der sakralen Geometrie, was auch die These bestätigt, dass dies nur intelligente Zivilisationen gebaut haben können, und nicht der Stamm der Illyrer, wie manche behaupten. Das muss ein Stamm aus vor-illyrischer Zeit gewesen sein.
Wieninternational: Was veranlasst Sie und ihr Team außerdem, Pyramidenbauer in einer so fernen Zeit zu suchen?
S.O.: Der gefundene Kiesstein zeigt, dass es zu einer Überschwemmung in den Tunnel gekommen sein muss und diese Bauten vom Meer überflutet wurden. Dies geschah, als der Rest Europas mit Eis bedeckt war und hier eine Zivilisation lebte. Nach der Eisschmelze wurden diese Bauten schließlich überschwemmt. Der Kiesstein bildete einen Bodenstein auf den Monolithblöcken. Tunnel mit Halbkreiswölbungen, die wir entdeckt haben, verbinden pyramidenartige Bauten. Wir werden die Sedimente an den Tunnelwänden abkratzen und an der Materialzusammensetzung feststellen wie alt die Pyramide ist. Unsere Meinung ist, dass sie mindestens 15.000 Jahre alt sein muss. Die Tunneleingänge sind zwar klein, die Höhe der Durchgänge vergrößert sich aber allmählich und erreicht eine Höhe von 2,5 m, sodass Menschen aufrecht stehen können.
Wieninternational: Warum glauben Sie, keine 100%ige Unterstützung von Fachkollegen beispielsweise aus Sarajevo und der Region zu bekommen?
S.O.: Wann immer ein neues Projekt auftaucht, gibt es Menschen, die dafür oder dagegen sind. Je größer das Projekt, desto größer die Skepsis. Jedes neue Projekt und eine progressive Idee stoßen auf Widerstand. Dank dem Enthusiasmus und den Fachkenntnissen unserer Experten, die dazu beigetragen haben, dass unsere Anfangsthese auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, konnten wir sehr viele Menschen davon überzeugen, dass es sich um Pyramiden handelt. Rund 15 Analysen aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen haben das Projekt der bosnischen Pyramiden bestätigt. Die Kombinierung von geologischen und archäologischen Methoden mit ultramodernen Satellitenaufnahmen, Radaranalysen und thermischen Analysen bestätigten unsere These. So hat das Instrument ASTER auf dem Satelliten Terra, das sich seit 1999 als Kooperation der NASA und der japanischen Regierung im Erdumlauf befindet, nach Wärmeanalysen bestätigt, dass sich in dem Tal von Visoko vier Anomalien befinden.

Seine Worte werden mehrfach gewogen und seine Interviews sind sehr begehrt sowohl in Bosnien, als auch im Rest der Welt. Die österreichische Zeitung Wieninternational hatte das Privilegium mit dem Entdecker der bosnischen Pyramiden zu reden und ihn vielleicht als Ausbäuter darzustellen. Ein spritziges Interview mit neuen Fakten. Das Interview mit Semir Osmanagic führten die "Wieninternational"-Mitarbeiterinnen Berina Filipovic-Kulenovic und Tijana Hrelja in Visoko.


